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Ein starkes Fundament fĂŒr unsere Schulen đŸ§± - Sozialemotionale Kompetenzen stĂ€rken

In unserer Beitragsreihe zum Thema 'Ein starkes Fundament fĂŒr unsere Schulen' greife ich auf, was wir in den letzten Jahren in den Schulen beobachtet haben, wo wir den grössten Handlungsbedarf sehen und was unsere Antwort auf die Herausforderungen der Schule sind.


Im ersten Beitrag standen die Herausforderungen des Schulsystems im Zentrum und was unser Ansatz ist, diese aufzugreifen. Im zweiten Teil zeigte ich auf, wie die Lehrpersonen gestÀrkt werden und was sie selbst tun können, um mehr Ruhe im Schulalltag zu finden.


Und in diesem letzten Beitrag geht es nun darum, wie Lehrpersonen in ihrer Klasse ein Fundament der Ruhe und des liebevollen Miteinanders schaffen, indem sie die sozialemotionalen Kompetenzen der Kinder stÀrken.


Vier Kinder stehen und geben sich gegenseitig den Arm um und lachen.
Durch die StÀrkung der sozialemotionalen Kompetenzen der Kinder kehrt im Schulalltag mehr Ruhe, Harmonie, Frieden und ein liebevolles Miteinander ein.

Der Praxisschock


Ganz viele Lehrpersonen erfahren nach ihrer Ausbildung einen 'Praxisschock'. Die RealitĂ€t in den Klassenzimmern ist so ganz anders, als sie sich das vorgestellt haben. So viele unterschiedliche Anforderungen werden an sie herangetragen, so viele verschiedene BedĂŒrfnisse und GefĂŒhlswelten kommen auf engem Raum zusammen.


Unsere Erfahrungen zeigen, dass neben all den administrativen Aufgaben mehrheitlich die zwischenmenschlichen Herausforderungen mit den SchĂŒlerInnen sehr zehrend sind. Der Grund dafĂŒr liegt darin, dass die StĂ€rkung der sozialemotionalen Kompetenzen der Kinder im Schulsystem vernachlĂ€ssigt wird und angehende Lehrpersonen in ihrer Ausbildung zu wenig darauf vorbereitet werden.


"Ich werde nie allen gerecht!"


Vielleicht kommen dir folgende Aussagen und Situationen aus dem Schulalltag bekannt vor:

  • 'Aber der hat doch angefangen.'

  • 'Sie, warum bin immer ich Schuld?'

  • 'Ich hab doch gar nichts gemacht.'

  • 'Peter nervt, dauernd macht er blöde SprĂŒche.'

  • 'Sie hat mich schon wieder geschlagen.'

  • Die ersten Minuten nach der grossen Pause, in der viele Kinder ganz aufgebracht, wĂŒtend oder traurig zurĂŒck ins Schulzimmer kommen und mit ihren eigenen Emotionen ĂŒberfordert sind.

  • Oder die fehlende Motivation und das Desinteresse einiger Kinder.

  • Dann gibt es da noch den SchĂŒler, der besondere BedĂŒrfnisse hat und die beiden SchĂŒlerinnen, die eben erst in die Schweiz gekommen sind und noch nicht Deutsch können.

  • Und da ist noch der Junge, dessen Eltern sich scheiden lassen und der so oder so gerade keinen Kopf fĂŒr Schule hat.

  • Nicht zu vergessen, das MĂ€dchen hinten in der Ecke, dass alles eigentlich schon kann und sich stĂ€ndig langweilt.

Wie bitte in aller Welt soll eine Person all diesen obengenannten GefĂŒhlen und BedĂŒrfnissen gerecht werden?


Das musst du gar nicht! Du kannst nicht allen gerecht werden. Und das ist okay. Auch du bist nur ein Mensch. Leider haben auch wir Lehrpersonen keine SuperkrĂ€fte. 😉


Was du als Lehrperson tun kannst und wofĂŒr du Verantwortung ĂŒbernehmen kannst:

  • den Kindern und ihren GefĂŒhlen Raum geben

  • sie wirklich sehen

  • ihnen Vertrauen und Wohlwollen schenken

  • VerstĂ€ndnis zeigen

  • sie nicht fĂŒr ihr Verhalten verurteilen, sondern die BedĂŒrfnisse dahinter erkennen (Ohne sie zwingend stillen zu mĂŒssen!)

Hilfreiche Tipps wie dir das gelingt, kannst du im vorderen Beitrag nachlesen.


Zu wenig Raum fĂŒr sozialemotionale Entwicklung


HÀufig geraten Lehrpersonen - und das ging mir lange auch so - in eine Art Rechtfertigungshaltung. "Ja, du musst das halt jetzt ...., weil ... ." Und dabei merken sie (manchmal) selbst, dass sie vergebens nach einem Grashalm greifen, an dem sie sich festhalten können.


Warum vergebens? Es ist kein Grashalm vorhanden, weil der Fokus in unserem Schulsystem ganz wo anders liegt. Bisher wird den sozialemotionalen Kompetenzen in den meisten Schulen noch viel zu wenig Gewicht gegeben.

Eine Lehrerin steht im Klassenzimmer, Augen geschlossen und Finger an den SchlÀfen. Hinten sind Kinder im Bild, die streiten.
Viele frische Lehrpersonen erleben einen Praxisschock. 'Wie soll ich all diesen BedĂŒrfnissen gerecht werden?'

Der Lehrplan im Nacken, all die Inhalte die noch 'durchgenommen' werden sollten, bleibt oftmals keine Zeit, sich mit den GefĂŒhlswelten der Kinder, ihren Ängsten, Gedanken, WĂŒnschen und Anliegen auseinanderzusetzen. Konflikte werden oftmals zwischen TĂŒr und Angel geklĂ€rt. Es bleibt fast kein Raum ĂŒbrig, bewusst auf die sozialemotionale Entwicklung der Kinder einzugehen.





Fehlt dieser Raum und eine gemeinsame Vertrauensbasis, ist es schwierig und anstrengend, den Kindern immer wieder von Neuem zu erklĂ€ren, warum sie dies oder das (nicht) machen sollen. Irgendwie hast du als Lehrperson nichts Handfestes in der Hand, und versuchst dich daher zu rechtfertigen oder irgendwas aus der Luft zu greifen. Dies wirkt dementsprechend auch nicht. Es ist nicht authentisch und das spĂŒren die Kinder und nehmen dich nicht ernst.


Bisher wird den sozialemotionalen Kompetenzen in vielen Schulen noch zu wenig Gewicht gegeben.

So, und nun gehts ans Eingemachte. Wie schaffst du diesen Raum und so eine Vertrauensbasis?


Achtsames Fundament aufbauen: Sozialemotionale Kompetenzen stÀrken


Wenn wir von Butterfly Journey mit Kindern arbeiten - und auch in unseren Eltern- und Lehrerkursen - stehen jeweils fĂŒnf Themenbereiche im Fokus:

  • Bewusstsein und Wahrnehmung

  • Mindset

  • Kommunikation

  • Heartset

  • Integration

Ein Modell mit dem Fundament 'Bewusstsein und Wahrnehmung', 3 SÀulen mit der Aufschrift 'Mindset' ' Kommunikation' und 'Heartset', einem Balken oben drauf mit ' Integration und dem Dach 'Innere StÀrke'

In unserem Butterfly Modell haben wir die fĂŒnf Bereiche visuell dargestellt (s. Abbildung). Basierend auf diesem Modell stĂ€rken wir die Kinder in ihren sozialemotionalen Kompetenzen, in ihrer Resilienz und Potenzialentfaltung.


Im Folgenden erlÀutere ich jeden Bereich einzeln und nenne Beispiele, wie wir diese Themen im Unterricht einfliessen lassen.


Es geht darum, mit der Klasse ein starkes Fundament zu bilden, mit Routinen, einem gemeinsamem Wortschatz und hilfreichen Übungen zur Selbstregulation, auf die die Lehrperson und die Kinder immer wieder zurĂŒckgreifen können.



Bewusstsein & Wahrnehmung


Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Kinder sich selbst nicht spĂŒren, keinen Kontakt zu sich, ihrem Körper und ihrer GefĂŒhlswelt haben. Dementsprechend ist es auch schwer, sich selbst regulieren zu können. Aus diesem Grund stĂ€rken wir mit gezielten Übungen die Wahrnehmung und das Bewusstsein der Kinder.


Das tun wir mit:

  • AtemĂŒbungen

  • Meditation

  • Übungen zur Körperwahrnehmung

  • Verbindung zur Natur

  • Reflexionsfragen

  • bewusste Ruhephasen und -Pausen

  • meditative Musik

  • aktiv SelbstfĂŒrsorge vorleben

  • Fokus: Wo ist meine Aufmerksamkeit?

  • BedĂŒrfnisse erkennen: Was brauchst du?

  • Was kann ich kontrollieren und was nicht?

Ziel ist es, dass die Kinder die Verbindung zu sich selbst stĂ€rken bzw. nicht verlieren und sich mehr und mehr ĂŒber ihre eigene GefĂŒhlswelt und ihre BedĂŒrfnisse bewusst werden. Im nĂ€chsten Schritt lernen sie, wie sie diese GefĂŒhle regulieren und ihre BedĂŒrfnisse stillen können.


Mindset


Das Wort 'Mindset' wird mittlerweile so oft benutzt, dass Menschen ganz unterschiedliche Assoziationen damit haben. Und trotzdem haben wir uns fĂŒr diesen Begriff entschieden, weil er einfach Vieles zusammenfasst.


Bei uns geht es beim Thema Mindset um:

  • das eigene Selbstbild

  • das Weltbild

  • die innere Haltung / Einstellung

  • Selbstvertrauen

  • Growth und Fixed Mindset

  • GlaubenssĂ€tze

  • Die Kraft der Gedanken fĂŒr sich nutzen

  • Fokus auf das Positive richten

  • Dankbarkeit

  • Lernprozesse verstehen: Was passiert eigentlich beim Lernen? Und welchen Einfluss haben unsere Emotionen auf das Lernen?

Der Hauptfokus liegt darin, das Selbstvertrauen der Kinder zu stÀrken, indem sie ein positives Selbstbild entwickeln und an sich selbst und ihre FÀhigkeiten glauben.


Kommunikation


Im Zentrum dieses Themenbereichs steht die Achtsame Kommunikation, basierend auf der 'Gewaltfreien Kommunikation' nach Marshall Rosenberg.


Das Handlungskonzept der gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg, hĂ€ufig abgekĂŒrzt mit GFK, ist frei von Schuldzuweisungen, Manipulation, Beleidigungen und Beurteilungen. Mit einfachen Techniken hilft sie dabei, Streit zu vermeiden, Konflikte zu lösen, VerstĂ€ndnis zu schaffen und Beziehungen zu vertiefen. Mehr zur GFK findest du hier.


Wir haben den 4 Schritten nach Rosenberg noch einen weiteren Schritt hinzugefĂŒgt:

  1. Beobachtung

  2. GefĂŒhl

  3. BedĂŒrfnis

  4. Bitte

  5. Frieden / Akzeptanz

Gemeinsam mit den Kindern schauen wir uns an, wie sie diese 5 Schritte im Alltag anwenden können. Insbesondere in Situationen mit Konfliktpotenzial sind diese 5 Schritte sehr hilfreich. Die Kinder werden dabei angeleitet (auch mit Karten als visueller UnterstĂŒtzung), einen Konflikt mit diesen 5 Schritten zu beschreiben. Bsp. einen Pausenkonflikt


Auch hier gehen wir als Lehrpersonen als Vorbild voran und leben diese 5 Schritte vor. Es ist anfangs etwas schwierig und kann etwas roboterhaft wirken. Aber du wirst merken, es hat eine unglaubliche Wirkung! 😉


Was passiert? Durch die fehlenden Schuldzuweisungen und Wertungen fĂŒhlt sich das GegenĂŒber nicht angegriffen, das VerstĂ€ndnis fĂŒr die GefĂŒhle und BedĂŒrfnisse des anderen wird gestĂ€rkt und Konflikte können achtsam gelöst werden.

Sechs verschiedene EmojibÀlle liegen auf dem Rasen mit jeweils einer anderen Emotion abgebildet.
Kinder mĂŒssen bestenfalls tĂ€glich die Gelegenheit haben, ihre GefĂŒhle bewusst wahrzunehmen und zu benennen, damit sie sich selbst besser verstehen und regulieren lernen können.

Heartset


Beim Heartset steht, wie es der Name schon sagt, unser Herz im Zentrum. Es geht darum, die emotionale Intelligenz (EQ) zu fördern, was leider im Schulalltag oft zu kurz kommt. Dabei fokussieren wir uns auf drei Schwerpunkte:


1. GefĂŒhlswelt


Hier ist ganz wichtig, den GefĂŒhlen der Kinder und auch deinen eigenen im Alltag bewusst Raum zu geben. Einerseits geschieht dies mithilfe von Routinen und Ritualen, sogenannte 'Check-Ins', bei denen die Kinder die Möglichkeit erhalten, zu Ă€ussern, wie sie sich fĂŒhlen.


Wir leiten sie an, ihre GefĂŒhle im Körper bewusst wahrzunehmen und sie zu benennen. In einem weiteren Schritt geben wir ihnen BewĂ€ltigungsstrategien und Tools an die Hand und begleiten sie dabei, ihre GefĂŒhle selbst zu regulieren.


Zudem ist ganz wichtig, auch im Verlauf des Schulalltags, z.B. bei Konflikten, Lernfrust, Motivationsproblemen etc. den GefĂŒhlen Raum zu geben.


2. Empathie


Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die StĂ€rkung der EmpathiefĂ€higkeit. Hier geht es stark darum, dass die Kinder reflektieren, was ihr Verhalten bei anderen bewirkt. Fragen wie 'Was macht das mit der anderen Person, wenn ich...? Wie wĂŒrdest du dich fĂŒhlen, wenn ...? Was denkst, warum hat die Person das gesagt / gemacht?'


Durch solche Reflexionsfragen und das Vorleben von Empathie wird das VerstĂ€ndnis fĂŒreinander gefördert, was zu mehr Harmonie und Miteinander fĂŒhrt.


3. Herzintelligenz


In unserer Gesellschaft lernen wir, stark auf unseren Kopf zu hören. Entscheidungen mĂŒssen rational begrĂŒndet werden können. Leider fĂŒhrt uns dies immer mehr weg von uns. Daher liegt es uns am Herzen, Kinder dabei zu unterstĂŒtzen, die Verbindung zu ihrem Herzen zu behalten, ihre Intuition und ihre Herzintelligenz zu stĂ€rken.


Wie geht das in der Schule? Wir sprechen ĂŒber eigene WĂŒnsche, TrĂ€ume, Vorlieben. 'Was macht dich glĂŒcklich?' Die Kinder erhalten die Möglichkeit, ihre Gedanken und GefĂŒhle mitzuteilen und auch ihre Meinungen zu Ă€ussern.

Ein MĂ€dchen sitzt auf einer Treppenstufe, den Kopf auf die Arme gestĂŒtzt. Und drei Jungs stehen hinten. Einer zeigt mit dem Finger auf das MĂ€dchen und lacht.
Wenn Kinder lernen, ihre eigenen GefĂŒhle wahrzunehmen und zu regulieren und sich selbst und andere besser zu verstehen, nehmen MobbingfĂ€lle und verletzende Umgangsformen automatisch ab.

Integration


All diese obengenannten Inputs nutzen nichts, wenn sie nicht regelmĂ€ssig in den Schulalltag miteinfliessen. Wir sind keine Fans von 'Lasst uns ein Fach Achtsamkeit oder GlĂŒck o.Ä. machen'. Wir sind der Meinung, dass diese Themen unabhĂ€ngig von FĂ€chern im Schulalltag integriert werden mĂŒssen: Durch das Vorleben der Lehrperson, Routinen, Rituale und gezielte Inputs zu einzelnen Themen (Bspw. im Fach RKE).


Es nĂŒtzt nichts, wĂ€hrend einer Woche mit den Kindern GefĂŒhle zu thematisieren, wenn sie nachher nicht die Gelegenheit erhalten, sich immer wieder bewusst mit ihrer GefĂŒhlswelt zu verbinden und sie wahrnehmen und benennen zu lernen. Das braucht nĂ€mlich - wie so Vieles - Übung.


Immer wieder darauf zurĂŒckgreifen


Wenn eine Lehrperson mit ihrer Klasse zu Beginn und im Verlauf des Schuljahres mehr und mehr in diese Themen der Achtsamkeit eintaucht, kann sie sich immer wieder darauf beziehen. Damit hat sie einen ziemlich dicken Grashalm, an dem sie sich festhalten kann. 😉


Hier ein paar Beispiele, wie sie bei Konflikten oder herausfordernden Situationen die Themen des gemeinsamen Fundaments aufnehmen kann:

  • "Kannst du grad kontrollieren, was dein Nachbar sagt / macht? Was kannst du kontrollieren?"

  • "Was macht das grad mit dir? Wie fĂŒhlst du dich?"

  • "Was brauchst du jetzt grad, damit du dich abregen kannst?"

  • "Weisst du noch, als wir ĂŒber ... gesprochen haben? Was kannst du tun, um ...?

  • "Was denkst du grad? Hilft dir das? LĂ€sst dich das gut fĂŒhlen? Welcher Gedanke wĂŒrde dir jetzt helfen?"

  • "Was ist in der Pause passiert? Kannst du die Situation in den 5 Schritten erklĂ€ren, wie wir das gelernt haben?" (mit Karten als UnterstĂŒtzung)

Es kann sehr hilfreich sein, mit der Klasse ein gemeinsames starkes Fundament zu bilden, mit Routinen und einem gemeinsamem Wortschatz und Tools zur Regulation, auf die du immer wieder zurĂŒckgreifen kannst.


Wenn du gerne tiefer in diese Themen eintauchen willst, melde dich gerne bei uns.


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