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  • Sabrina Ritz

Gefühle #3: 10 Tipps zum Umgang mit Wut

Im dritten Beitrag unserer Reihe zum Thema Gefühle dreht sich alles darum, wie du Kinder dabei begleiten kannst, mit Wut umzugehen und sie zu regulieren.


Folgende Fragen stehen im Fokus:

  • Wie helfe ich Kindern dabei, ihre Wut bewusst wahrzunehmen?

  • Wie kann ich Kinder dabei unterstützen, ihre Wut zu regulieren?

  • Was sind wenn-dann-Pläne?

  • Wie führe ich mit einem Kind ein Gespräch über Wut?

  • Mein Kind hat einen Wutanfall - Was kann ICH tun?

Zwischendrin erhältst du auch Hinweise zu Materialien, die dich dabei unterstützen können, mit Kindern über das Thema Wut zu sprechen. Hier gelangst du zu den ersten beiden Beiträgen zum Thema Gefühle:

Drei farbige Monster
Das Wutmonster: Das Bild des Wutmonsters eignet sich super, um mit Kindern über Wut zu sprechen.

10 Tipps zum Umgang mit Wut


Die folgenden Tipps eignen sich, um mit Kindern über Wut zu sprechen, ein Gespür dafür zu erhalten, wann und wie sich die Wut bemerkbar macht, die Empfindungen in Worte zu fassen und einen gesunden Umgang mit Wut zu entwickeln.


1 - Verständnis zeigen

Die Empfindungen, die gerade da sind, einfach annehmen und Verständnis zeigen. Gib deinem Kind zu verstehen, dass es okay ist, so zu fühlen und dass du das Gefühl auch kennst. Du darfst dem Kind auch von einer eigenen Situation erzählen, in der du wütend warst und wie du damit umgegangen bist.


2 - Das Gefühl benennen

Hilf deinem Kind, das Gefühl in Worte zu fassen. Bsp. "Du bist verärgert", "Du bist grad stinksauer" oder"Du fühlst dich überfordert".


3 - Empfindungen im Körper wahrnehmen

Frage nach, welche Empfindungen das Kind wahrnimmt, wenn das Wutgefühl kommt. Wo spürst du die Wut in deinem Körper? Wie fühlt sich dein Wutgefühl an?


4 - Mein Freund das Wutmonster

Vielen Kindern hilft es, vom Wutmonster zu sprechen und ihm einen Namen zu geben. Unterstütze es dabei, sein Wutmonster besser kennenzulernen, damit sie Freunde werden können. Wenn das Kind die Wut versteht, kann es sie auch besser regulieren. Es kann das Wutmonster auch zeichnen.


Folgende Fragen können dabei helfen, das Wutmonster besser kennenzulernen: Wie sieht denn dein Wutmonster aus? Welche Farben hat es? Hat es einen Namen? Wann kommt dein Wutmonster? Was denkst du denn, warum kommt das Wutmonster?


👉🏼 Unser Tool "Ich und meine Gefühlsmonster" bietet eine ideale Hilfestellung, diese Fragen mit dem Kind zu thematisieren. Erfahre hier mehr dazu.


5 - Mit dem Wutmonster ins Gespräch gehen

Die Wut ist ein Warnsignal und weist auf ein ungestilltes Bedürfnis hin. (👉🏼 s. Gefühle #2: Die 8 häufigsten Ursachen von Wut) Das Wutmonster möchte dir etwas sagen. Um herauszufinden, warum das Wutmonster da ist, kann das Kind mit dem Wutmonster ins Gespräch gehen: Was möchtest du mir sagen? Warum bist du gerade jetzt aufgetaucht?


6 - Wut kanalisieren

Nun habt ihr schon ganz viel über das Wutmonster erfahren: Warum es da ist, wo das Gefühl im Körper spürbar ist etc. Jetzt geht es darum, dem Kind Möglichkeiten aufzuzeigen, die Wut zu kanalisieren. Stampfen, in einen Boxsack schlagen, ein paar Mal ums Haus laufen, in ein Kissen schreien oder einfach spazieren gehen, kann helfen, die Wut zu kanalisieren und rauszulassen. Bewegung hilft generell dabei, die biochemischen Stoffe im Gehirn abzubauen.


7 - Wut loslassen

Um die Wut endgültig loslassen zu können, kann das Kind noch einmal mit dem Wutmonster ins Gespräch gehen und nachfragen, was es denn braucht, um sich zu beruhigen. Und danach, kann es sich beim Wutmonster bedanken und sich verabschieden. z. B. "Danke, dass du mir aufgezeigt hast, dass ... Ich brauche dich jetzt nicht mehr. Tschüss."


8 - Fantasiereise

Mithilfe von Fantasiereisen können Kinder lernen, Gefühle zu verarbeiten und Strategien zur Emotionsregulation zu entwickeln. Wähle dazu eine Fantasiereise aus, die sich speziell zum Thema Wut eignet.


Mithilfe der Wut-Skala lernt das Kind, zu erkennen, wenn die Wut hochkommt und sie zu regulieren.

9 - Wuttagebuch führen

Wenn ein Kind sehr oft Wutanfälle hat, lohnt es sich eine Art Wuttagebuch zu führen. Notiert darin, wo, wann und zu welcher Zeit die Wutanfälle auftreten, was sich in diesen Situationen verändert hat und wer beteiligt war. Nach einiger Zeit werdet ihr Muster erkennen, welche Faktoren zu den Wutausbrüchen beitragen.


10 - Wut Skala

Mit der Wut - Skala lernt das Kind, seine eigenen Gefühle einzuschätzen: Auf einer Skala von 0 bis 10 wie gross ist deine Wut? Mit der Zeit gelingt es ihm damit, früh zu erkennen, wenn die Wut hochkommt und sie zu regulieren.


Die Wut-Skala eignet sich auch prima für den Notfallkoffer. (s. weiter unten)


👉🏼 Hier gelangst du zur Vorlage der Wut-Skala. Eine ist bereits farbig, die andere Vorlage darf das Kind mit eigenen Farben ausmalen.



Notfallkoffer packen


Wenn dein Kind oft Wutausbrüche hat, könnt ihr gemeinsam einen Notfallkoffer mit Strategien zur Wutregulation packen. Er dient dazu, dass es gar nicht erst zu einem Ausbruch kommt. Sammelt dazu gemeinsam Strategien und Übungen, die das Kind umsetzen kann, sobald die ersten Anzeichen erscheinen, dass das Wutmonster kommt.


Mögliche Strategien für den Notfallkoffer

  • zum Wutmonster sprechen (👉🏼 Zur Vorlage)

  • Atemübungen

  • frische Luft

  • Schreikissen: Es kann sinnvoll sein, dem Kind eine Art Schreikissen zu geben, wo es "reinschreien" und den Schrei dämpfen kann.

  • Indianerschrei: Körper anspannen und stumm schreien, es kommt kein Ton raus!

  • einen Wuttanz machen

  • stampfen

  • ums Haus rennen

  • Boxsack

  • Stressball

  • Hampelmänner machen 😉

  • Affirmationen

  • progressive Muskelentspannung

  • autogenes Training

  • EFT: Emotional Freedom Technik (Abklopfen von bestimmten Energiepunkten am Körper)


Wenn - dann Pläne


Die Wut - Skala eignet sich super, um "Wenn, dann ... " Pläne festzulegen und dem Kind Schritte aufzuzeigen, die Wut zu regulieren:

  • Wenn meine Wut bei Level 5 ist, dann kann ich die und die Übung machen.

  • Was brauch ich denn um auf Level 3 zu kommen?

  • Wenn meine Wut auf der Skala die 8 erreicht, dann ...

Diese "Wenn-dann" Pläne kannst du mit dem Kind immer wieder üben, dass es in der Wutsituation selbständig die passenden Strategien aus dem Notfallkoffer anwenden kann.


Bei einem Wutausbruch gilt: Ruhe bewahren, Verständnis zeigen, abwarten und Wut abklingen lassen.

Mein Kind hat einen Wutanfall - Was kann ICH tun?


Und was machst du, wenn das Kind gerade einen Wutanfall hat?


Hast du schon einmal einen kindlichen Wutanfall erlebt? Daher weisst du wahrscheinlich auch, wie schwierig es ist, selbst ruhig zu bleiben und das Kind in dieser Situation zu begleiten.


Wir Erwachsenen möchten das "Problem" meist sofort lösen, das störende Verhalten stoppen und versuchen oft auf das wütende Kind einzureden. Leider macht dies häufig alles nur noch schlimmer und das Kind beginnt noch mehr zu toben.


Wenn dein Kind einen Wutausbruch hat, können dir folgende Tipps helfen:

  1. Bleibe ruhig: Lass dich von der Wut deines Kindes nicht anstecken. Versuch dich nicht von deinem Umfeld, den Meinungen und Blicken anderer aus der Ruhe zu bringen. Dem Kind hilft es am meisten, wenn du bei dir bleibst, seinen Emotionen Raum gibst und Verständnis zeigst.

  2. Abwarten: Wenn das Kind gerade einen Wutanfall hat, ist es nicht möglich, mit ihm ein Gespräch zu führen oder eine Lösung zu finden. Die Amygdala (Hirnregion, die für die Emotionen zuständig ist) hat das Steuer komplett übernommen und der präfrontale Cortex, der für das logische Denken zuständig ist, ist machtlos. Daher lautet die Devise: Erstmal abwarten und die Wut etwas verrauchen lassen.

  3. Notfallkoffer: Wenn ihr bereits einen Notfallkoffer mit Strategien gepackt habt, erinnere das Kind liebevoll an die gesammelten Strategien. Auf einer Skala von 0 bis 10 wie gross ist deine Wut? Wenn es die Schritte noch nicht alleine umsetzen kann, leite es an. Was kannst du tun, um auf Level ... zu kommen? Es geht nun vor allem darum, die Wut zu kanalisieren.

  4. Raum geben: Je nachdem wo ihr seid und wie alt das Kind ist, kann es hilfreich sein, es eine Weile allein zu lassen und ihm Zeit zu geben, die Wut rauszulassen. Teile dem Kind das auch mit und zeige ihm, dass du Verständnis hast und nicht urteilst.

  5. Gespräch anbieten: Wenn die Wut verraucht ist, kannst du dem Kind ein Gespräch anbieten, in dem ihr in aller Ruhe über den Wutausbruch sprechen könnt. Teile ihm mit, dass du es wichtig findest, darüber zu sprechen und dass du verstehen möchtest, was dahinter steckt. (Mehr zum Gespräch findest du weiter oben unter Tipps)

  6. Setting verändern: Häufig macht es Sinn für das Gespräch das Setting zu verlassen und in einen anderen Raum zu gehen.

Ich hoffe, diese Tipps helfen dir dabei, Kinder im Umgang mit Wut zu begleiten. Mehr über die Ursachen von Wut kannst du hier nachlesen.


Abschliessen möchte ich mit einem passenden Zitat von L.R. Knost.

"When little people are overwhelmed by big emotions, it's our job to share our calm, not to join their chaos."

Frei übersetzt bedeutet das Zitat: Wenn kleine Leute von großen Emotionen überwältigt sind, ist es unsere Aufgabe, unsere Ruhe zu bewahren, nicht ihr Chaos zu teilen.


 


Zu den Vorlagen


⭐️ Vorlage "Wut - Skala"

⭐️ Tool "Notfallkoffer"

⭐️ Tool "Ich und meine Gefühlsmonster": Starke Gefühle wahrnehmen, benennen und gehen lassen (Wut, Angst, Traurigkeit)


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