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  • Sabrina

Wie du ein Kind in 6 Schritten aus einer festgefahrenen Lernsituation herausführst

Kennst du das? Wenn du (d)ein Kind beim Lernen begleitest, ein hartnäckiges Problem auftaucht und merkst, dass die Stimmung langsam kippt? Du gibst dir Mühe, ruhig zu bleiben und gemeinsam versucht ihr eine passende Lösung zu finden. Aber irgendwie scheint nichts wirklich zu funktionieren. Es scheint, als dreht ihr euch im Kreis.


Das Kind ist langsam echt genervt, frustriert und auch du merkst, dass du dich innerlich immer mehr anspannst. Du suchst nach alternativen Zugängen und Strategien, kramst in deinem Gehirn nach DER Lösung.


Alle neuen Ideen und Vorschläge werden vom Kind zurückgewiesen. Sie prallen von ihm ab, wie von einer Wand. Ja, es scheint, als wäre da plötzlich eine undurchdringbare Wand zwischen euch.

Ein gelbes Smiley, das wütend aussieht wird vor einer Wand aus roten Ziegelsteinen hochgehalten.
Blockaden in Lernsituationen können zu viel Frust beim Kind und auch bei der Lernbegleitung führen.

Genau so war es letzte Woche bei mir in der Lernbegleitung. Thema war: Mathe Sachaufgaben mit schriftlicher Division im Millionenbereich. Und es ist ja nicht so, dass ich dann einfach sagen kann: "Okay, wir lassen es für heute, wir machen morgen weiter."Ich war mir bewusst, dass ich das Kind irgendwie wieder abholen musste. Die Frage war nur WIE?



Wie kommen wir aus dieser Situation raus?


Aus dieser unangenehmen und herausfordernden Situation hat sich schlussendlich ein wunderbares und sehr wertvolles Gespräch entwickelt. Das Kind meinte sogar bevor wir uns verabschiedet haben:"Ich fand das Gespräch heute super, das hat mir wirklich geholfen." 🤩


Darum möchte ich nun kurz aufzeigen, wie ich mit der Situation umgegangen bin. Vielleicht hilft es der einen oder anderen unter euch weiter. Es ist nur eine von vielen möglichen Strategien und nicht jede passt zu jedem Kind. Ich habe ganz intuitiv so reagiert und habe es geschafft, das Kind wieder ins Boot zu holen.


Schritt 1: Stopp, innehalten, ein paar Mal tief durchatmen.

Ich sagte zu mir selbst "Stopp, innehalten, ein paar Mal tief durchatmen." Und das tat ich dann auch. Manchmal ist es sinnvoll, hier eine kurze Pause einzulegen, wenn du dich erst etwas sammeln möchtest.


Schritt 2: Ehrlich sein und zugeben, dass du im Moment selber nicht weiss, wie ihr da rauskommt.

Als erstes war ich ganz ehrlich und hab gesagt: "Okay, hier kommen wir nicht weiter. Ich habe den Eindruck, du bist frustriert und etwas genervt und magst im Moment keine Lösung für das Problem finden. Ich merke auch, dass ich ganz angespannt bin."


Schritt 3: Gefühle benennen - Wie fühlst du dich selbst dabei? Wie erlebst du das Kind?

Wichtig ist, die Frustration des Kindes ernst zu nehmen und nicht einfach darüber hinwegzusehen und stur das Thema durchzuwurschteln. Solche Situationen bergen ein grosses Wachstumspotenzial. Daher lohnt es sich, beim Kind genauer nachzufragen, wie es die Situation wahrnimmt.


Schritt 4: Nachfragen - "Wie fühlst du dich im Moment? Hast du eine Idee, warum wir hier so feststecken? ... warum dich das so nervt?"

Und dann, in dem Moment, als wir beide diese Wand zwischen uns spürten, hatte ich eine Idee.


Ressourcen aus Spezialgebieten des Kindes nutzen


Ich fragte das Kind: "Was kannst du super? Wo hast du das Gefühl, bist du richtig gut?" Das Kind antwortete darauf "Zauberwürfel lösen und Parkour." Daraufhin hab ich nachgefragt, wie es denn darin so gut geworden ist. "Das konntest du ja nicht einfach so, oder? Wie hast du es geschafft, so gut darin zu werden?"


Und dann begann er zu erzählen. Wir haben wir für beide seine Spezialgebiete Strategien zusammengetragen, die ihm geholfen haben, sich immer wieder darin zu verbessern.

Schritt 5: Selbstwirksamkeit erfahren lassen: Über etwas reden, dass es richtig gut kann."Was kannst du denn richtig gut?"
Schritt 6: Die Ressourcen des Kindes nutzen: "Wie bist du denn im ... so gut geworden? Was hast du dafür gemacht?"

Es sprudelte richtig aus ihm heraus. Zwanzig Minuten lang erzählte er mir ganz genau, wie er vorgeht, wenn er einen neuen Trick lernt im Parkour oder wie er sich die unzähligen Algorithmen für den Zauberwürfel merkt. Und er strahlte übers ganz Gesicht! SPARKLE ⭐️


Genau diese SPARKLE Momente sind so wertvoll und inspirierend! In diesem Moment hat das Kind so viel über sich gelernt, Selbstvertrauen geschöpft und Selbstwirksamkeit erfahren. Es hat gemerkt, dass es selbst Einfluss auf seinen Lernprozess hat.


Fünf Kinder in Superheldenumhängen stehen in einer Reihe mit dem Rücken zum Fotografen gekehrt.
Jedes Kind ist in einem Bereich ein Experte, auch wenn dieser Bereich unbedeutend scheint. Nutzt diese Ressourcen.

Das Kind in den Lösungsraum führen


Während das Kind von seinen Spezialgebieten und Strategien erzählte, merkte es ganz plötzlich, dass es die Lösung für das Problem gefunden hat. Das Kind hat selbst den Weg vom Problem- zum Lösungsraum gefunden Und just in dem Moment huschte ein Lächeln über sein Gesicht und er meinte:"Eigentlich könnte ich jetzt hier ... "


Seine Lösungsstrategie kam aus seinem Hobby, dem Parkour: "Im Parkour passiert mir manchmal, dass ich einen Trick, den ich eigentlich schon kann, in manchen Situationen oder manchen Hindernissen plötzlich nicht mehr kann. Es geht dann einfach nicht mehr. Und dann denke ich mir einfach: Okay, ich tu jetzt einfach so, als ob ich den Trick wirklich noch nicht kann und gehe jeden Schritt noch einmal genau durch und lerne ihn wie neu."


Sein Beispiel vom Parkour widerspiegelte ziemlich genau unsere festgefahrene Lernsituation. Das Hindernis war eine schriftliche Division verpackt in einer Sachaufgabe und irgendwie ging der Trick - die schriftliche Division - plötzlich gar nicht mehr. Und das frustrierte ihn enorm, hatten wir diese doch bereits mehrmals thematisiert. Und er findet Wiederholungen furchtbar langweilig.


Das Kind hat gemerkt, dass es selbst Einfluss auf seinen Lernprozess hat.

Also fragte ich ihn: "Was denkst du, machen wir einen Schritt zurück und schauen uns die einzelnen Schritte alle noch einmal ganz genau an? So als ob du das noch nicht gelernt hättest?"


Er lächelte schief und nickte. Nun war die durchsichtige Wand zwischen uns endgültig gefallen.


Wie können solche festgefahrenen Blockaden entstehen?


Wenn wir beim Lernen mit Kindern das Gefühl haben, dass wir irgendwie feststecken, dass wir uns im Kreis drehen, ist dies sehr häufig ein Mindset Problem. Auch in diesem Fall war es so, dass das Kind in seinen negativen Glaubenssätzen feststeckte: "Ich kann das halt einfach nicht! Wir haben das schon so oft geübt und ich kann's einfach immer noch nicht. Ich bin so blöd." Und und und ...


Solche Glaubenssätze bauen Kinder meist durch eigene Erfahrungen auf oder verinnerlichen Aussagen aus ihrem Umfeld, der Schule, dem Elternhaus oder auch anderen Menschen in ihrem nahen Umfeld. (Introjektion) Darum sollten wir äusserst achtsam sein, was wir unseren Kindern sagen.


Die Art wie wir mit Kindern reden, wird später ihre innere Stimme. Peggy O'Mara

In den letzten Jahren wurde mir durch meinen Neuorientierungsprozess und meine persönliche Weiterbildung immer mehr bewusst, welch grossen Einfluss unsere eigenen Gedanken und unser Selbstbild auf unsere Wahrnehmung, unser Lernen und unsere Potenzialentfaltung haben.


Umso mehr erstaunt es mich, dass das Thema Mindset (Denkmuster, Selbstbild) in der Arbeits- und Erwachsenenwelt so oft thematisiert wird und nur selten den Weg in Schulen und die Kinderstube findet.


Ausblick: E-Book zum Thema "Wie du dein Kind stärken kannst"


Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Mindset, Glaubenssätze, Selbstwahrnehmung, die Kraft unserer Gedanken und wie wir Kinder dabei unterstützen, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Dazu lese ich verschiedene Bücher, nehme an Online Webinaren und Workshops teil und diese Woche habe ich die Ausbildung zum ganzheitlichen Kinder- und Jugendcoach begonnen. 🎉


Meine neuen Erkenntnisse und Erfahrungen schreibe ich in einem Ebook auf, dass noch Ende dieses Jahres erscheinen sollte. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Falls du das Ebook schon einmal reservieren möchtest, kannst du dich für unseren Newsletter eintragen. Darin informieren wir auch über Neuigkeiten zum E-Book.




Büchertipps * :

Boaler, Jo. 2021. Das neue Lernen. Sechs Strategien für nachhaltigen Lernerfolg - Und wie du doch noch wirst, was niemand in dir sieht.

Hess, Daniel. 2019. Glücksschule - Sechs Ansätze für einen grundlegenden Wandel in Schule und Gesellschaft - mit einem Vorwort von Gerald Hüther



 

Welche Strategien helfen dir in solchen festgefahrenen Lernsituationen? Wie immer freue ich mich auf dein Feedback.



☆ LEARN | GROW | SPARKLE ☆



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